Kategorie: Glosse

Löwe sein war immer schwer

Löwe bleiben, jetzt noch mehr.

Damals in den Neunzigern, in der zweiten Klasse, da gab es die Roten und die Blauen. Also vor allem bei den Jungs. Kurze proppere Bayern- und Sechzger-Fans, die Fanbildchen horteten und sich mit kleinen, harten Fäusten in der Pause schon mal ordentlich eins über die Rübe gaben. Die Mädels umsorgten derweil ihre Tamagotchis und überlegten sich, wer von den Jungs für sie überhaupt in Frage käme. Mochte man den Schönling im Bayerntrikot, der von Papa morgens shampooniert mit dem Mercedes ausgeliefert wurde? Oder fand man eher den etwas verwilderten, nach elterlichem Tabakkonsum riechenden Löwen spannender, der zwar nie die neusten Sportschuhe hatte, aber auch barfuß noch am schellsten laufen konnte.

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Vergoogelt

Der Cursor blinkt hämisch in der Google-Suchzeile. Der Dienst vermeldet eilfertig stolze 53,5 Millionen Ergebnisse zum Suchbegriff ‚Steuern‘. Fast ein bisschen frivol, wenn man bedenkt, wie wenig davon das angeblich weltweit größte Unternehmen unterm Strich bezahlt. Gibt man ‚Steuerhinterziehung‘ ein, kratzt Google allerdings nur noch 464.000 relevante Fundstellen zusammen. Aber immerhin. Fast eine halbe Million Möglichkeiten sich darüber zu informieren, wie rechtswidrig, verpönt und strafbar es sein kann, Gelder am Fiskus vorbei zu schummeln. Ob man das bei Google mal gegoogelt hat?

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Oh, wie schön war Panama…

Schon für den kleinen Bären und den kleinen Tiger war es das Land ihrer Träume. Dort sei alles viel schöner als Zuhause, erklärte der kleine Bär dem kleinen Tiger, denn Panama rieche von oben bis unten nach Bananen. Seit Sonntag wissen wir: Was viele Reiche und Einflussreiche aus aller Welt in den letzten 40 Jahren dort erschnupperten, ist allerdings nicht krumm und im reifen Zustand gelb.
Das panamaische Unternehmen Mossack Fonseca streute einen anderen Lockstoff: Anonymität für obszön hohe und damit lästige Geldsummen.

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Happy Pegida

Ein Jahr ist sie nun alt, die Bewegung Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes, und enthüllt nun nach 12 Monaten Reifungsdauer anlässlich ihres ersten Geburtstages ein neues Gesicht: Aus einem ursprünglich sorgenvollen Stirnrunzeln wurde im Laufe eines Jahres eine von empörter Hysterie und Hass verzerrte Fratze.

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Zwei Leben. Zerstört

Vor einem halben Jahr ging eine erschütternde Meldung durch alle Medien. Aus allen Kanälen erfuhr man, dass eine junge Frau und ein junger Mann auf einem nächtlichen Schnellrestaurantparkplatz bei Offenbach aneinandergeraten waren. Er schlug zu, sie stürzte ohnmächtig zu Boden und erlitt beim ungebremsten Aufprall irreperable Kopfverletzungen.

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