Sein erster Gipfel

Er ist klein. Aber er will Großes. Nepomuk ist vier und will endlich einen Gipfel besteigen. Das möchte er schon eine ganze Weile, genaugenommen sein halbes Leben lang, aber bisher scheiterte das Vorhaben entweder an den äußeren Bedingungen oder seinen knallharten Vorgaben: Mit Besteigen meine er Besteigen, nicht etwa Hinaufgetragen-werden. Hätte er gesagt, wenn er es denn mit zwei schon so hätte formulieren können. Heute kann er es. Und auf die Frage welchen Gipfel denn, kam prompt: „Den höchsten. Natürlich.“ Das „natürlich“ betonte er dabei so, als würde er routiniert auf eine der vielen Suggestivfragen antworten, die man den Kindern häufig stellt. „Ein Gipfel mit Kreuz und Felsen und ganz weit oben.“
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Löwe sein war immer schwer

Löwe bleiben, jetzt noch mehr.

Damals in den Neunzigern, in der zweiten Klasse, da gab es die Roten und die Blauen. Also vor allem bei den Jungs. Kurze proppere Bayern- und Sechzger-Fans, die Fanbildchen horteten und sich mit kleinen, harten Fäusten in der Pause schon mal ordentlich eins über die Rübe gaben. Die Mädels umsorgten derweil ihre Tamagotchis und überlegten sich, wer von den Jungs für sie überhaupt in Frage käme. Mochte man den Schönling im Bayerntrikot, der von Papa morgens shampooniert mit dem Mercedes ausgeliefert wurde? Oder fand man eher den etwas verwilderten, nach elterlichem Tabakkonsum riechenden Löwen spannender, der zwar nie die neusten Sportschuhe hatte, aber auch barfuß noch am schellsten laufen konnte. (mehr …)

Der Sturm (William Shakespeare)

 

The Tempest / Der Sturm
von William Shakespeare

Theaterstück der Theatergruppe DieAnderen (Gymnasium Tegernsee)
Premiere 6. April 2017, Ludwig-Thoma-Saal, Tegernsee

Stückentwicklung und Regie: Sabine Schreiber

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Dinner im Gasthaus Altes Bad

Es gibt eine Sage, die sich um die Örtlichkeit rankt. Die Landschaft rundherum ist zu Recht vielbesungen. Nebenan thront der zweiflügelige Prunkbau von Wildbad Kreuth und tut kund von Geschichten über Macht, Glanz und Gloria. Aber im Gasthaus Altes Bad zählt vor allem eins: das feine Essen.

Wenn die Sage recht hat, haben wir es ausgerechnet einer waidwunden Hirschkuh auf der Suche nach Heilung zu verdanken, dass man heute am Fuße des Hohlensteins in einem Talwinkel hinter Kreut hervorragende Wildgerichte kredenzt. Das verwundete Tier sei vor Jahrhunderten seinem Häscher durchs Unterholz der Weißachauen davon gelaufen und hätte sich gezielt im armdicken Strahl einer Quelle Linderung verschafft. Der verdutzte Jäger merkte sich die Stelle und erzählte von seinem wundersamen Erlebnis. Die Kunde vom heilsamen Wasser machte die Runde und 1511 ließ ein Abt vom Tegernsee ein Badhaus errichten – das Wildbad zu Kreuth nahm seinen Anfang. (mehr …)

Und über alldem: Die Kreut

Wie ein Schiff auf einem Wellenkamm sitzt die Kreut Alm seit Jahrhunderten oberhalb des Kochelsees. Im Delta dreier Landkreise, mit eigener Quelle und wunderbaren Ländereien. Der Ausblick von der Panoramaterrasse: Ein Rembrandt ohne Rahmen

Ihm zu Füßen die Loisach im Tal. Der Kochelsee schickt seinen Abenddunst herauf. Eine Hand hat er auf die Reling am Bug seines Voralpendreimasters gelegt. Auf dem handbemalten Weißbierglas in seiner Rechten blickt Kollege König Ludwig hinüber in die Ferne. Die steinernen Wellenkämme Benediktenwand, Rabenkopf, Jochberg, Herzogstand grüßen vis-à-vis. Im Rücken: der Kaventsmann Heimgarten. Eines der originalsten Originale des Oberlands nimmt einen Schluck von seiner weißschäumenden Sundowner-Halbe vor einem fast zum Jodeln verleitend schönen Panorama. Olivier Streignart-Mayr, Kapitän der Kreut Alm. (mehr …)