Happy Pegida

Ein Jahr ist sie nun alt, die Bewegung Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes, und enthüllt nun nach 12 Monaten Reifungsdauer anlässlich ihres ersten Geburtstages ein neues Gesicht: Aus einem ursprünglich sorgenvollen Stirnrunzeln wurde im Laufe eines Jahres eine von empörter Hysterie und Hass verzerrte Fratze. Vereinzelt kann man sie immer noch sehen in Beitragsschnipseln der filmenden Medien: die bekümmerten älteren Herrschaften, die schlicht und ergreifend Angst haben vor dem Neuen, dem Fremden, das da mit einer solchen Wucht auf Europa zugerollt kommt. Die, die sich Sorgen machen darum, wie das denn weitergehen solle, wo sie doch selbst jeden Tag eine Art deutsches Präkariatselend erblicken und womöglich erfahren müssen.

Aber dann gibt es da jetzt auch die vielen anderen Pegidisten, die, die das Unbehagen gegen Stärkeres eingetauscht haben, gegen Wut, Hass, Aggression. Diejenigen, die es als schwarzen Humor verkaufen, wenn sie mit einer für Politiker reservierten Galgenattrappe patroullieren. Was soll das sein? Galgenhumor? Der Pegida-Plot treibt sich in immer schwindelerregendere Höhen – einem Drehbuchautor würde man Mäßigung empfehlen. Schaurig klingen die Parolen („Hier marschiert der nationale Widerstand.”, skandiert am vergangenen Montag in Dresden nach der Kundgebung auf dem Theaterplatz), schaurig auch das Wortmaterial, geliehen aus der deutschen Nazi-Vergangenheit („Aber die KZs sind ja leider außer Betrieb.“, „Gauleiter gegen das eigene Volk“, Akif Pirincci als Redner am Montag in Dresden) und brutal die monotonen immer gegenwärtigen Schwarz-Weiß-Zeichnungen („grüne Kinderfickerpartei“, „Invasoren“, „muslimische Wurfmaschinen“, „pathologischer Altruismus und geheuchelte Empathie der Gutmenschen“).

Nein, es sind keine Nazis im herkömmlichen Sinne, auch wenn sich immer mehr Rechtsextreme und Altfaschisten freudig in die Pegida-Arme kuscheln. Es zeigt sich eine neue Sorte  Menschen: Menschen, die hasserfüllt danach lechzen, in unserer unübersichtlichen Weltpolitik endlich zu erkennen, wer der Gute und wer der Böse ist. Und das schaffen sie zu vermitteln, die Redner der Pegida-Bewegung. Ein klares Feindbild. Sie zeigen mit nacktem Finger auf das vermeintlich Böse, das es – ja was eigentlich? – zu bekämpfen gilt? So scheint es zumindest manch einer zu verstehen, der schließlich von Hetze gesättigt und mit klar ausgemachtem Ziel messerstechend, fäusteschwingend oder zündelnd aktiv wird. Fast zynisch, dass die Bewegung ursprünglich Friedliche Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes hätte heißen sollen.

pressewoche