Kategorie: Portrait

Dinner im Gasthaus Altes Bad

Es gibt eine Sage, die sich um die Örtlichkeit rankt. Die Landschaft rundherum ist zu Recht vielbesungen. Nebenan thront der zweiflügelige Prunkbau von Wildbad Kreuth und tut kund von Geschichten über Macht, Glanz und Gloria. Aber im Gasthaus Altes Bad zählt vor allem eins: das feine Essen.

Wenn die Sage recht hat, haben wir es ausgerechnet einer waidwunden Hirschkuh auf der Suche nach Heilung zu verdanken, dass man heute am Fuße des Hohlensteins in einem Talwinkel hinter Kreut hervorragende Wildgerichte kredenzt. Das verwundete Tier sei vor Jahrhunderten seinem Häscher durchs Unterholz der Weißachauen davon gelaufen und hätte sich gezielt im armdicken Strahl einer Quelle Linderung verschafft. Der verdutzte Jäger merkte sich die Stelle und erzählte von seinem wundersamen Erlebnis. Die Kunde vom heilsamen Wasser machte die Runde und 1511 ließ ein Abt vom Tegernsee ein Badhaus errichten – das Wildbad zu Kreuth nahm seinen Anfang.

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Und über alldem: Die Kreut

Wie ein Schiff auf einem Wellenkamm sitzt die Kreut Alm seit Jahrhunderten oberhalb des Kochelsees. Im Delta dreier Landkreise, mit eigener Quelle und wunderbaren Ländereien. Der Ausblick von der Panoramaterrasse: Ein Rembrandt ohne Rahmen

Ihm zu Füßen die Loisach im Tal. Der Kochelsee schickt seinen Abenddunst herauf. Eine Hand hat er auf die Reling am Bug seines Voralpendreimasters gelegt. Auf dem handbemalten Weißbierglas in seiner Rechten blickt Kollege König Ludwig hinüber in die Ferne. Die steinernen Wellenkämme Benediktenwand, Rabenkopf, Jochberg, Herzogstand grüßen vis-à-vis. Im Rücken: der Kaventsmann Heimgarten. Eines der originalsten Originale des Oberlands nimmt einen Schluck von seiner weißschäumenden Sundowner-Halbe vor einem fast zum Jodeln verleitend schönen Panorama. Olivier Streignart-Mayr, Kapitän der Kreut Alm.

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Auf ein Bier im Bunker 

Schlüpft man durch die Tür in die kleine Lenggrieser Dorfschänke, genannt „der Bunker“, ist man augenblicklich drin – in der reinsten, ur-bayerischen Stammtischseligkeit.

In einen Winkel der Bachmairgasse duckt sie sich hinein, die kleine Wirtschaft mit den gelb-schwarzen Fensterläden – mitten im Lenggrieser Ortsteil „Schmoizgruam“, gleich neben Kirche, Maibaum und Dorfbach. Wie eine schalkhafte alte Dame blinselt sie mit blanken Fensterscheiben unter ihrer Lüftlmalerei hervor. Nebendran, nur ein Hupfer über die schmale Straße, bauschen sehr alte Linden und ein paar Kastanienbäume ihr Blätterwerk über einem Biergarten. Ein würziger Duft, der eine handfeste Mahlzeit verspricht, zieht seine Runden im Quartier und bittet unmissverständlich zu Tisch: Meine lieben Leut‘, im Bunker hat man den Grill bestückt!

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Susi Weiss

Pianistin auf hoher See

Mitten im Wohnzimmer steht ein Prachtstück von einem Flügel: schwarz glänzend, majestätisch. Rundherum kuscheln sich drei Katzen mit dickem Winterfell, während vor den großen Fenstern im winterlichen Garten ein lebensgroßer David steht – nackt trotzt das steinerne Mannsbild den eisigen Temperaturen. Als die Herrin des Hauses sich am Flügel niederlässt und ihre Finger über die Tasten fliegen, perlt die vertraute Melodielinie von „Un homme et une femme“ wie eine musikalische Brandung durch das wohlig warme Parterre in Bad Aibling und spült Rhythmus und Nostalgie in Herz und Hirn. Das Knie wippt, der Finger tippt, Entspannung macht sich breit – so lässt es sich aushalten.

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